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Wir gruppieren die Fragen nach Themenbereichen. Wenn Ihre Frage nicht dabei ist, schreiben Sie uns kurz, wir antworten innerhalb von zwei Werktagen.
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01 · LCA & METHODIK
Lebenszyklusanalyse
Was unterscheidet eine ecoverity-LCA von einer Berechnung anderer Anbieter?
Eine ecoverity-LCA verbindet methodische Modellierung mit einem schlanken, digitalen Projektprozess. Wir arbeiten nicht mit starren Templates, sondern strukturieren Ihre Produktdaten intern so, dass individuelle Bauprodukte, Varianten und Sonderfälle sauber abgebildet werden können. Dafür nutzen wir interne Automatisierung, standardisierte Datenlogiken und enge Abstimmung mit Ihrem Team. So bleibt der Prozess effizient, nachvollziehbar und persönlich betreut.
Welche Datenbasen verwenden Sie?
Wir arbeiten primär mit ecoinvent in der aktuellen Version. Für Bauproduktdaten ergänzen wir je nach Projekt geeignete Datensätze, zum Beispiel aus ÖKOBAUDAT oder weiteren anerkannten Quellen. Die Auswahl der Datenbank hängt davon ab, wofür die LCA später genutzt werden soll. Wenn eine EPD nach EN 15804+A2 geplant ist, achten wir bereits beim Aufbau der Sachbilanz darauf, dass die Datenbasis später anschlussfähig und konsistent mit den Anforderungen des jeweiligen Programmbetreibers ist.
Wie lange dauert eine LCA?
Bei einem klar abgegrenzten Cradle-to-Grave-Scope rechnen wir meist mit 1-2 Wochen ab Datenfreigabe. Der größte Zeitfaktor ist in der Regel nicht die Modellierung, sondern die Verfügbarkeit und Qualität der Eingangsdaten. Deshalb strukturieren wir früh, welche Informationen benötigt werden, welche Daten realistisch verfügbar sind und welche Annahmen sauber dokumentiert werden müssen.
Was passiert, wenn Nacharbeiten oder Änderungen notwendig werden?
Nacharbeiten innerhalb des vereinbarten LCA-Projekts sind im Preis enthalten. Auch dann, wenn sie erst später im Zuge von Rückfragen, interner Prüfung oder einer Anschlussverwendung auftreten. Dazu zählen zum Beispiel Korrekturen, methodische Erläuterungen, kleinere Anpassungen oder zusätzliche Nachweise zur bestehenden Berechnung. Wenn sich jedoch das Produkt selbst verändert, etwa durch eine neue Rezeptur, andere Lieferanten, neue Produktionsdaten oder zusätzliche Varianten, muss die LCA-Datenbasis fachlich aktualisiert werden. Dafür ist keine komplett neue LCA notwendig, sondern eine gezielte Folgebeauftragung auf Basis des bestehenden Modells.
Was ist die funktionelle Einheit und warum ist sie so wichtig?
Die funktionelle Einheit (FU) ist die Bezugsgröße, auf die alle Umweltwirkungen normiert werden, etwa „1 m² verbauter Dämmaufbau bei einem U-Wert von 0,24 W/(m²K) über 50 Jahre Nutzungsdauer". Sie entscheidet, ob Vergleiche zwischen Produkten methodisch zulässig sind. Bei Bauprodukten verlangt EN 15804+A2 zusätzlich eine deklarierte Einheit (z. B. 1 kg Material) für die Hintergrundberechnung. Eine schlecht gewählte FU macht eine LCA für Vergleiche praktisch unbrauchbar.
Was bedeuten Module A1-A3, A4-A5, B1-B7, C1-C4, D?
Die Module der EN 15804+A2 zerlegen den Lebenszyklus eines Bauprodukts in Phasen: A1-A3 (Cradle-to-Gate: Rohstoff, Transport zum Werk, Herstellung), A4-A5 (Transport zur Baustelle und Einbau), B1-B7 (Nutzung, Wartung, Reparatur, Austausch, Energieverbrauch), C1-C4 (Rückbau, Transport, Aufbereitung, Entsorgung) und D (Lasten und Gutschriften außerhalb der Systemgrenze). Eine vollständige EPD nach EN 15804+A2 deklariert mindestens A1-A3 verpflichtend; weitere Module sind kategorienspezifisch oder produktabhängig zu deklarieren.
Wann lohnt sich ein Critical Review?
Ein externes Critical Review nach ISO 14040/14044 ist sinnvoll, wenn die LCA für vergleichende Aussagen gegenüber Dritten verwendet werden soll, etwa für Marketing-Vergleiche zwischen Produktvarianten oder gegenüber Wettbewerbsprodukten. Für eine reine EPD-Erstellung ist es nicht zwingend, weil die Drittpartei-Verifizierung nach EN 15804+A2 die methodische Prüfung übernimmt. Wer planungsbegleitend gegen alternative Aufbauten vergleicht, holt sich mit einem Critical Review zusätzliche Aussagekraft ein.
Bieten Sie auch reine Datenbasis-Studien ohne EPD-Ausgabe an?
Ja. Viele Hersteller starten mit einer Cradle-to-Gate-LCA, um intern Hotspots zu identifizieren oder Reduktionsoptionen vergleichbar zu rechnen, bevor sie sich auf eine veröffentlichte EPD festlegen. Die Datenbasis ist methodisch deckungsgleich mit dem späteren EPD-Modell, sodass keine Doppelarbeit entsteht.
02 · EPD & VERIFIZIERUNG
Umweltproduktdeklaration
Was ist eine EPD und wer braucht sie?
Eine Umweltproduktdeklaration (EPD) ist ein verifiziertes Datenblatt, das die Umweltwirkungen eines Bauprodukts über den Lebenszyklus dokumentiert. Sie basiert auf einer LCA und folgt der Form und Sprache der EN 15804+A2. Sie wird zunehmend von Generalplanern, öffentlichen Bauherren und Zertifizierungssystemen wie DGNB, BNB oder LEED angefragt sowie von Großkunden die Lieferkette herunter, die EPD-Daten für ihre eigenen CSRD-Scope-3-Berichte brauchen. Mit der EU-Bauprodukteverordnung wird sie ab 2027 für viele Produktkategorien zur Pflicht, gestaffelt durch delegierte Rechtsakte.
Wie lange dauert die Erstellung einer EPD?
Eine EPD dauert bei uns in der Regel ca. 1–2 Wochen ab Datenfreigabe. Voraussetzung ist, dass die relevanten Produktdaten vollständig vorliegen: Stücklisten, Energieverbräuche, Lieferantendaten, Verpackungen und Produktionsinformationen. Sollte dies nicht der Fall sein, unterstützen wir in einem Werksbesuch die Datenbeschaffung. Den konkreten Ablauf und die Projektdauer stimmen wir im Auftakt verbindlich mit Ihnen ab.
Was kostet eine EPD?
Der Preis hängt vor allem von der Produktkomplexität, der Datenverfügbarkeit und dem gewählten Programmbetreiber ab. Eine EPD für ein klar abgegrenztes Einzelprodukt ist günstiger als eine Produktfamilien-EPD mit mehreren Varianten, Schichtaufbauten oder Produktionsstandorten. Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage unsere Preisliste zu. Nach einer ersten Datensichtung können wir den Rahmen genauer abstecken und Ihnen so auch ein individuelles und unverbindliches Angebot erstellen.
Können mehrere Produktvarianten in einer EPD abgebildet werden?
Ja, mehrere Varianten können in einer Produktfamilien-EPD zusammengefasst werden, wenn sie methodisch sinnvoll gemeinsam abgebildet werden können. Das ist besonders relevant bei Bauprodukten mit ähnlichem Aufbau, unterschiedlichen Dicken, Formaten, Rezepturanteilen oder Leistungsklassen. Wir prüfen zu Beginn, ob eine Familien-EPD möglich ist oder ob einzelne EPDs sinnvoller sind. Ziel ist eine Lösung, die methodisch sauber bleibt und gleichzeitig den Pflegeaufwand reduziert.
Wer verifiziert die EPD?
Die Verifizierung übernimmt ein unabhängiger, zugelassener Dritter. Wir erstellen die EPD-Unterlagen, bereiten die Hintergrunddokumentation vor und begleiten die Rückfragen im Prüfprozess, die eigentliche Verifizierung erfolgt aber extern. Typische Programmbetreiber im Bauproduktbereich sind: 1. Das IBU (Institut Bauen und Umwelt), ein etablierter deutscher Programmbetreiber für EPDs. IBU prüft und veröffentlicht EPDs mit unabhängiger Drittverifizierung und ist besonders stark im deutschen Bauproduktmarkt vertreten. 2. Kiwa-Ecobility Experts, ein internationaler EPD-Programmbetreiber innerhalb der Kiwa-Gruppe. Kiwa bietet EPD-Programme und Verifizierung für Bauprodukte an und ist auch im Kontext der Bauprodukteverordnung aktiv. 3. ift Rosenheim, ein Programmbetreiber mit starkem Bezug zu Fenstern, Türen, Fassaden und Bauelementen. In veröffentlichten EPDs tritt ift Rosenheim als Programmbetreiber auf; ältere Deklarationscodes nutzen unter anderem das Kürzel AFT.
Was unterscheidet eine ecoverity-EPD von einer EPD anderer Anbieter?
Eine ecoverity-EPD verbindet methodische Modellierung mit einem schlanken, digitalen Projektprozess. Wir arbeiten nicht mit starren Templates, sondern strukturieren Ihre Produktdaten intern so, dass komplexe Bauprodukte, Varianten, Schichtaufbauten und Sonderfälle sauber abgebildet werden können. Dafür nutzen wir interne Automatisierung, standardisierte Datenlogiken und enge Abstimmung mit Ihrem Team. So bleibt der Prozess effizient, nachvollziehbar und persönlich betreut.
Wie lange ist eine EPD gültig?
Eine EPD nach EN 15804+A2 ist in der Regel 5 Jahre gültig. Wir betreuen die Aktualisierung über unsere EPD-Updates-Leistung und melden uns rechtzeitig vor Ablauf. Wenn sich Produkt, Rezeptur, Lieferanten oder Produktionsdaten wesentlich ändern, kann eine Aktualisierung auch vor Ablauf der 5 Jahre sinnvoll oder notwendig sein. Die bestehende Datengrundlage muss dafür nicht neu aufgebaut werden, sondern kann gezielt aktualisiert werden.
03 · PCF, CSRD & NACHHALTIGKEITSREPORTING
Product Carbon Footprint und CSRD
Was ist der Unterschied zwischen LCA, PCF und EPD?
Die LCA ist das methodische Fundament, also eine Vollanalyse über alle Umweltwirkungs-Kategorien (Treibhauspotenzial, Versauerung, Eutrophierung, Ressourcenverbrauch, …) nach ISO 14040/14044. Der PCF (Product Carbon Footprint) ist eine reduzierte Sicht auf nur die CO₂-Wirkung, meist nach ISO 14067 oder GHG-Protocol. Die EPD ist das standardisierte, verifizierte Veröffentlichungsformat einer LCA in der Sprache der EN 15804+A2 für Bauprodukte. Wer eine EPD hat, hat den PCF inklusive. Umgekehrt gilt das nicht.
Wie hängen PCF und EPD zusammen?
Der PCF ist methodisch eine Teilmenge der EPD: Die Treibhauspotenzial-Werte aus Modul A1-A3 (oder erweitert) der EPD entsprechen funktional dem Cradle-to-Gate-PCF. Wer eine verifizierte EPD hat, kann die Treibhauspotenzial-Zahlen direkt für PCF-Anfragen verwenden, sofern der Berechnungsumfang (Systemgrenze) zur PCF-Anfrage passt. Wir extrahieren auf Anforderung PCF-Daten aus laufenden EPD-Projekten ohne Doppel-Modellierung.
Welche Datenpunkte für ESRS E1 lassen sich aus einem PCF ableiten?
Der PCF eines Bauprodukts liefert Eingangsgrößen für mehrere ESRS-E1-Datenpunkte, insbesondere für Scope-3-Kategorie-1 (gekaufte Güter und Dienstleistungen) auf Kundenseite, sowie für die eigenen Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Bilanzen, wenn die Werks-Daten in den PCF einfließen. Konkret: produktspezifische Emissionsfaktoren ersetzen pauschale Branchen-Durchschnitte und verbessern damit die Datenqualität in der CSRD-Berichterstattung deutlich. Die direkte 1:1-Übernahme ist allerdings nicht möglich, da ESRS eine andere Aggregations-Logik als ein produktbezogener PCF verlangt.
Wie gehen Sie mit Daten-Lücken in der Vorkette um?
Bei fehlenden Lieferanten-Daten arbeiten wir mit hierarchischen Default-Werten: zuerst spezifische Datenbasis-Werte (Ökobaudat, ecoinvent), dann Branchenstudien, zuletzt konservative Schätzungen mit dokumentierter Annahme. Jede Lücke und jede Annahme wird in der Hintergrunddokumentation explizit ausgewiesen. Das ist Voraussetzung für die Verifizierung und macht spätere Verbesserungen (echte Lieferanten-Daten) ohne Modell-Umbau möglich.
Wer ist überhaupt CSRD-pflichtig?
Die CSRD greift gestaffelt: Seit Geschäftsjahr 2024 große kapitalmarktorientierte Unternehmen, ab 2025 alle großen Unternehmen nach EU-Rechnungslegungsrichtlinie (zwei von drei Kriterien: >250 Mitarbeitende, >50 Mio. € Umsatz, >25 Mio. € Bilanzsumme), ab 2026 börsennotierte KMU, ab 2028 nicht-EU-Unternehmen mit substantieller EU-Aktivität. Mit der Omnibus-Initiative der EU-Kommission gibt es laufende Diskussionen zu Verzögerungen und Schwellenwert-Anpassungen. Die aktuelle Beschlusslage prüfen wir im Regulatorik-Cockpit.
Brauchen wir für ESRS E1 zwingend EPDs für alle Produkte?
Nein. ESRS E1 verlangt keine EPDs, sondern Emissions-Zahlen mit dokumentierter Methodik. EPDs sind aber der hochwertigste Datenträger, weil sie verifiziert sind und damit Audit-Sicherheit liefern. Wer nur einzelne, umsatzstarke Produkte mit EPDs ausstattet und für den Rest mit gut dokumentierten internen PCFs arbeitet, fährt oft den effizientesten Weg.
Brauchen wir eine eigene LCA, bevor wir CSRD-reporten können?
Nicht zwingend, aber für die Klimadatenpunkte (ESRS E1) sind belastbare produktbezogene Emissionsdaten der größte Hebel. Wer eine LCA oder einen PCF hat, befüllt Scope-3-Kategorie-1 mit Audit-fähigen Werten statt Branchen-Durchschnitten. Ohne diese Datenbasis arbeiten wir im ersten Jahr mit konservativen Default-Werten und priorisieren produkt- und werksspezifische Verfeinerung in den Folgejahren.
Worin unterscheidet sich CSRD-Reporting bei ecoverity vom Marktstandard?
Drei Punkte: (1) Wir setzen auf Ihrer bestehenden methodischen Datenbasis auf, ohne parallele Reporting-Welt neben der LCA-/PCF-Welt. (2) Wir liefern Methodikdokumentation, die einer limited-assurance-Prüfung standhält, ohne dafür eine eigene Reporting-Infrastruktur zu kaufen. (3) Wir bauen den Bericht so, dass das Management ihn auch zwischen den Berichtsjahren als Steuerungsinstrument verwenden kann, nicht nur als Compliance-Pflicht.
Wie viel Aufwand muss man im ersten Berichtsjahr realistisch einplanen?
Für einen Mittelständler mit fokussiertem Produktportfolio typischerweise 4-6 Monate ab Projektstart bis zum auditierten Bericht, vorausgesetzt LCA-/PCF-Datenbasis und Werks-KPIs sind in akzeptabler Form vorhanden. Erstes Jahr ist die Strukturarbeit, danach sind Folgejahre deutlich schlanker (typisch 2-3 Monate), weil Datenpunkt-Mapping, Wesentlichkeitsmatrix und Methodik stehen.
Was passiert, wenn die CSRD-Pflicht durch die Omnibus-Initiative verschoben wird?
Wir empfehlen, sich nicht auf Verzögerungen zu verlassen, denn die ESRS-Datenpunkte sind inhaltlich bereits Marktstandard. Viele Großkunden, Banken und Versicherer fragen sie unabhängig vom Pflichtdatum ab. Wer jetzt aufbaut, hat im Verzögerungsfall eine vorzeigbare Reporting-Basis statt einen leeren Ordner und im Pflichtfall kein Hektik-Projekt.
Können auch nicht-CSRD-pflichtige Unternehmen das Nachhaltigkeitsreporting nutzen?
Ja. Viele unserer Mittelstandskunden sind formal noch nicht CSRD-pflichtig, werden aber von Großkunden im Rahmen von Lieferketten-Due-Diligence (LkSG, CSDDD) und ESG-Ratings nach ähnlichen Datenpunkten gefragt. Ein verschlanktes ESRS-Set-1-Reporting bedient diese Anforderungen und positioniert das Unternehmen für den Pflichtfall vor.
04 · CO₂-REDUKTION & SUBSTITUTION
Reduktion auf Basis belastbarer Hotspot-Analyse
Welche Datenbasis brauchen wir, bevor wir reduzieren können?
Eine belastbare Hotspot-Analyse, also eine LCA, die zeigt, welche Lebenszyklus-Phasen und welche Materialien tatsächlich die Treiber sind. Ohne diese Basis priorisiert man nach Bauchgefühl und investiert oft in Maßnahmen mit kleinem Hebel. Eine Cradle-to-Gate-LCA reicht für die meisten produktnahen Reduktions-Entscheidungen; für Use-Phase-relevante Produkte (etwa Dämmstoffe mit Energieeinspar-Wirkung) ergänzen wir Module B und C.
Wie priorisieren Sie Reduktions-Maßnahmen?
Wir arbeiten entlang dreier Achsen: (1) Hebel, also wie groß der Effekt auf die Gesamtbilanz ist; (2) Aufwand, also was die Umsetzung in Geld, Zeit und organisatorischem Risiko kostet; (3) Reife, also ob es das Material oder Verfahren bereits am Markt gibt oder ob es entwickelt werden muss. Aus dieser Matrix ergibt sich ein Pfad mit Quick-Wins, mittelfristigen Hebeln und langfristigen Material-Substitutions-Optionen. Wir entscheiden nicht für Sie, sondern liefern die Datenbasis, in der Ihre Entscheidung argumentierbar wird.
Wie gehen Sie mit Lieferanten-Daten in Scope 3 um?
Wir starten mit pauschalen Datenbasis-Werten, identifizieren Hotspot-Lieferanten und arbeiten dann mit Ihrem Einkauf an gezielten Datenanfragen, typischerweise für die zwei bis fünf Materialien mit dem größten Beitrag. Wir liefern dafür Frage-Templates, die Lieferanten realistisch beantworten können, und integrieren echte Lieferanten-PCFs in das Modell, sobald sie verifiziert vorliegen. Das ist methodisch der größte Hebel für die Datenqualität.
Was ist der Unterschied zwischen CO₂-Kompensation und Reduktion?
Reduktion bedeutet, dass weniger CO₂ entsteht, etwa durch Material-Substitution, energieeffizientere Prozesse oder Kreislaufführung. Kompensation bedeutet, dass entstandene Emissionen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette ausgeglichen werden, meist über Zertifikate. Beide haben eine Berechtigung, aber sie sind nicht austauschbar. Die EU-Green-Claims-Direktive und neue ISO-Normen verschärfen die Anforderungen an Kompensations-Aussagen deutlich. Wir empfehlen, Reduktion immer vor Kompensation zu betrachten und Kompensation getrennt von Produkt-Aussagen zu kommunizieren.
Wie vermeiden wir Greenwashing-Vorwürfe?
Drei Prinzipien: (1) Aussagen sind quantifiziert und auf eine klare Bezugsgröße bezogen, etwa „minus 23% Treibhauspotenzial gegenüber Variante X über A1-A3" statt „klimafreundlich". (2) Die Datenbasis ist verifiziert oder zumindest extern prüfbar. (3) Aussagen werden im Kontext gehalten, denn „CO₂-reduziert in der Herstellung" ohne Hinweis auf hohe Use-Phase-Lasten ist methodisch angreifbar. Die EU-Green-Claims-Direktive macht diese Anforderungen ab 2026 zur regulatorischen Pflicht. Wir orientieren uns schon heute daran.
Können wir „klimaneutrale" oder „CO₂-neutrale" Produkte ausloben?
Sehr eingeschränkt. Nach aktueller Lage zur Green-Claims-Direktive in der EU sind solche Aussagen bald praktisch nicht mehr ohne sehr enge Substantiierung möglich. Wir empfehlen, statt absoluter Aussagen relative und präzise Aussagen zu kommunizieren („Treibhauspotenzial A1-A3: X kg CO₂-Äq. je FU, gegenüber Vorgänger-Generation um Y% reduziert"). Diese sind argumentierbar, prüfbar und tragen über Regulatorik-Wechsel hinweg.
05 · REGULATORIK & FRISTEN
EU-CPR, EPBD, BNB, CSRD, QNG, EmpCo
Was ändert sich durch die EU-CPR 2024 für Bauprodukte-Hersteller?
Die novellierte EU-Bauprodukteverordnung (CPR-Recast, in Kraft seit 2025) bringt mehrere Pflichten gestaffelt bis 2027 und darüber hinaus: erweiterte Lebenszyklus-Datenanforderungen (perspektivisch verpflichtende EPD-Daten), Digitaler Produktpass für viele Kategorien, neue Verifizierungs- und Marktüberwachungs-Regeln. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt über delegierte Rechtsakte, die kategorienscharf veröffentlicht werden. Der Zeitplan ist also produktkategorie-abhängig. Ohne erfüllte Anforderungen kein EU-Marktzugang für betroffene Produktkategorien.
Wann tritt die EPBD-Recast in Kraft?
Die novellierte EU-Gebäuderichtlinie (EPBD-Recast) ist seit 2024 in Kraft und muss von den Mitgliedstaaten bis Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Sie verlangt unter anderem die Berechnung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials (Whole-Life-Carbon) für neue Gebäude: ab 2028 für große Neubauten, ab 2030 für alle Neubauten. Bauprodukte mit EPD werden in dieser Berechnung als datenträger gefragt sein.
Ab wann wird der DPP für Bauprodukte relevant?
Der Digitale Produktpass wird durch die neue EU-Bauprodukteverordnung zunehmend relevant. Eine pauschale Pflicht für alle Bauprodukte ab einem festen Datum gibt es noch nicht. Entscheidend ist, wann für die jeweilige Produktgruppe die passenden technischen Regeln, Datenanforderungen und Umsetzungsakte vorliegen. Klar ist: Der DPP wird für Bauprodukte schrittweise eingeführt und wird künftig Produktinformationen digital, strukturiert und maschinenlesbar bereitstellen. Für Hersteller lohnt sich eine frühzeitige Umsetzung, um hohe Kosten und lange Wartezeiten zu vermeiden.
Können wir den DPP pilotieren, bevor die Implementing Acts final sind?
Ja, genau das ist sinnvoll. Auch wenn noch nicht jedes Pflichtfeld final feststeht, sind die Grundbausteine bereits absehbar: Produktstammdaten, Materialinformationen, Umweltkennzahlen, Recyclinghinweise, technische Nachweise und Lieferketteninformationen. Ein DPP-Projekt schafft deshalb heute schon Klarheit: Welche Daten liegen bereits vor? Welche fehlen? Welche Informationen kommen aus ERP, PIM, EPD oder LCA? Und wie müsste ein Datenmodell aussehen, das später an die finalen Vorgaben angepasst werden kann?
Was bedeutet die Empowering Consumers Directive für unsere Umweltkommunikation?
Die Empowering Consumers Directive (EU 2024/825) gilt ab dem 27. September 2026 verbindlich. Generische Aussagen wie „klimaneutral", „umweltfreundlich", „öko" oder „grün" sind ohne wissenschaftlich substantiierten, klaren und überprüfbaren Nachweis verboten. „Klimaneutral"-Claims, die ausschließlich auf Kompensation beruhen, sind nicht mehr zulässig. Zukunftsgerichtete Claims wie „klimaneutral bis 2030" brauchen einen glaubhaften, dokumentierten Umsetzungsplan. Die ursprünglich ergänzend angekündigte Green Claims Directive wurde am 20. Juni 2025 von der EU-Kommission auf Eis gelegt. EmpCo bleibt damit der zentrale aktive Hebel gegen Greenwashing. Wer heute mit verifizierten EPD-, LCA- und PCF-Daten kommuniziert, ist methodisch bereits weitgehend EmpCo-konform.
Wie hängen QNG und EPD zusammen?
Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) ist die staatliche Anerkennung in Deutschland, Voraussetzung für Förderungen wie KfW-Klimafreundlicher Neubau. QNG verlangt Lebenszyklus-Berechnungen auf Gebäudeebene, die auf produktbezogene EPDs (vorrangig aus Ökobaudat) zurückgreifen. Hersteller mit Ökobaudat-publizierter EPD sind dadurch in QNG-relevanten Bauprojekten bevorzugt einsetzbar. Das ist ein echtes Differenzierungs-Asset, weil sie in Ausschreibungen gegen Wettbewerber direkt vergleichbar werden.
Welche Pflichten kommen aus ESPR (Ökodesign-Verordnung) auf uns zu?
Die ESPR ist seit 2024 in Kraft und definiert den Rechtsrahmen für produktspezifische Anforderungen an Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recycelbarkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sowie für den Digitalen Produktpass. Die konkreten Anforderungen werden in delegierten Rechtsakten je Produktgruppe festgelegt; Bauprodukte sind teilweise über die EU-CPR adressiert, teilweise direkt über ESPR. Welcher Pfad für Ihr Produkt greift, klären wir im Regulatorik-Cockpit pro Kategorie.
06 · ZUSAMMENARBEIT & KOMMERZIELLES
Wie ein Projekt mit uns abläuft
Wie läuft ein Erstgespräch ab?
30 Minuten per Video oder Telefon. Sie schildern in Stichpunkten Ihr Produkt, die Fragestellung und den Anlass (Ausschreibung, Kunden-Anfrage, regulatorischer Druck, Eigeninitiative). Wir hören zu, sortieren mit Ihnen die methodische Treppe (was zuerst, was später) und sagen klar, ob wir der richtige Partner sind oder ob ein anderer Weg sinnvoller wäre. Kein Vertrieb, kein Pitchdeck, keine Fragebogen-Schleife.
Wie wird ein Projekt abgerechnet, Festpreis oder Aufwand?
Standard ist Festpreis pro Leistung (LCA, EPD, PCF, Reduktions-Studie), basierend auf der Datensichtung. Das gibt Ihnen Planbarkeit und uns einen klaren Rahmen. Bei laufender Begleitung, etwa für CSRD-Reporting über mehrere Berichtsperioden, arbeiten wir mit Aufwands-Pauschalen pro Quartal. Stundensätze nutzen wir nur für klar abgegrenzte Zusatzleistungen außerhalb des vereinbarten Scopes.
Können wir auch nur Teilleistungen vergeben?
Ja. Die Leistungen sind so geschnitten, dass sie einzeln vergebbar sind, aber methodisch aufeinander aufbauen. Sie können bei einer LCA starten, später eine EPD daraus ableiten, dann mit der CO₂-Reduktion fortsetzen oder mit jeder einzelnen Leistung beginnen. Wir prüfen jeweils, ob die Vorstufen tragen, und sagen es klar, wenn nicht.
Welche Daten müssen wir liefern?
Für eine LCA/EPD typischerweise: Stücklisten und Rezepturen je Produktvariante, Energiedaten am Werk (Strom, Wärme, gegebenenfalls Brennstoffe), Lieferanten-Liste mit Hauptmaterialien und Transportwegen, sowie Angaben zu Verpackung und gegebenenfalls Einbau-/Entsorgungsszenarien. Wir liefern Datenanfrage-Templates, die zur Datenqualität Ihrer Werks- und ERP-Systeme passen. Sie müssen kein LCA-Vokabular mitbringen.
Was passiert mit unseren Daten nach Projektende?
Sensible Werks- und Lieferantendaten verbleiben vertraulich beim Projekt und werden nicht für andere Mandate wiederverwendet. Das LCA-Modell und die Hintergrunddokumentation gehören methodisch beiden Seiten: Sie für die interne Verwendung und Updates, wir für die Pflege im Verlängerungsfall. Bei expliziter Anfrage exportieren wir das Modell vollständig in einem editierbaren Format zur Übergabe an Sie oder einen anderen Dienstleister.
Wie ist die Vertraulichkeit geregelt?
Standardmäßig schließen wir vor Beginn jedes Projekts eine NDA, auf unser Template oder Ihres. Werks-Daten, Rezepturen, Lieferanten-Verträge und produktstrategische Informationen werden ausschließlich für das vereinbarte Projekt verwendet, nicht in Marketing-Materialien oder Referenzlisten genannt und nicht an Dritte weitergegeben. Veröffentlichungen (Case Studies, EPD-Erwähnungen) erfolgen nur mit ausdrücklicher Freigabe.
Können wir mit Ihnen länger laufende Rahmenverträge schließen?
Ja. Bei Herstellern mit größerem Produktportfolio oder kontinuierlichem CSRD-Reporting-Bedarf bieten wir Rahmenverträge mit definierten Service-Bausteinen pro Quartal an. Das macht Budgetplanung verlässlicher und reduziert den Onboarding-Aufwand pro Einzel-Auftrag. Den ersten Rahmen schließen wir nach mindestens einem abgeschlossenen Pilot-Projekt, damit beide Seiten realistisch einschätzen können, was sinnvoll ist.
Ihre konkrete Methodik-Frage in 30 Minuten sortiert.
Erstgespräch ohne Vertrieb und ohne Pitchdeck. Wir hören zu, ordnen Ihre Ausgangslage in unsere methodische Treppe ein und sagen klar, welche Leistung jetzt Sinn macht und welche später.